Eine Anekdote die mir im Kopf ist, die ich gerne zitiere, ist die Geschichte mit dem Hammer. Und eventuell, weil ich sie schon zu oft erzählt habe, verfälsche ich sie immer mehr. Das mögen diejenigen mir verzeihen, die die Geschichte korrekt kennen. Aber jedenfalls, ein Nachbar braucht irgendwo einen Hammer, um einen Nagel in die Wand zu schlagen, um ein Bild aufzuhängen. Er geht zu seinem Nachbarn, er klingelt und es dauert eine Weile. Und dann denkt er, „Der Nachbar, vielleicht will er mir gar keinen Hammer geben. Vielleicht ist er mir böse, weil ich das letzte Mal etwas nicht zurückgegeben habe oder etwas länger gebraucht habe, es zurückzugeben. Er hat mich ja die letzten Tage schon komisch angeguckt und außerdem, vor drei Tagen hat er nicht gegrüßt. Der hat sicher etwas. Der weiß vermutlich, dass ich jetzt um einen Hammer bitte.“ Und dann, als der Nachbar aufmacht, anfangen will, sich zu entschuldigen, weil es ein bisschen länger gedauert hat, sagt unser Mann, „Behalten Sie doch Ihren Hammer selbst.“ und schlägt die Tür wieder zu und geht wieder hoch. Das soll auf einer wahren Geschichte beruhen. Der Watzlawick behauptete - in irgendeinem Interview habe ich das mal gelesen – alles, was dort ist, sind tatsächliche Geschichten von seinen Patienten. Er war ja Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler. Zu häufig denken Menschen, sie können die Gedanken anderer lesen. Vor kurzen habe ich irgendwann mal eine Hörsendung gehört über drei Denkfehler. Der erste Denkfehler ist Telepathie, der zweite ist Hellseherei und der dritte ist Schwarzmalerei. Und jetzt muss ich eben aufpassen, dass ich euch jetzt nicht in euren Denkfehlern bestätige oder euch neue Denkfehler mache. Also, erster Denkfehler, Gedankenlesen. Da ist natürlich nicht Gedankenlesen der Fehler, sondern sich einzubilden, man kann Gedanken lesen. Ich meine, man kann Einfühlungsvermögen vertiefen, aber man sollte nicht sicher sein, dass man alles weiß über den anderen und das, was man vom anderen denkt, sollte man überprüfen, indem man mit ihm spricht. Und in der Mehrheit der Fälle fährt man sogar relativ gut damit, indem man annimmt, dass das, was der andere sagt, auch so ist, wie er es sagt und dass er es so meint, wie er es sagt. Zu viele Menschen denken, man sagt was und man meint etwas ganz anderes. Und es kann auch stimmen, aber im Alltag ist es praktischer, man geht davon aus, der Mensch sagt, was er denkt und tut, was er sagt und davon kann man erstmal ausgehen. Das erleichtert einem das Leben. Wenn man dann feststellt irgendwo, man wurde doch hintergangen, dann wird man vielleicht bei diesem Menschen etwas anders umgehen, aber nicht von vorneherein immer Hintergedanken bei anderen vermuten. Ich hoffe, ihr versteht, was ich dort meine. Einfühlungsvermögen, ja, einbilden, man weiß alles von dem anderen, nein. Und es gibt ja den berühmten Zeitvertreib zwischen Menschen, die sich kennen. Der eine fragt den anderen, „Was denkst du?“ Und der andere sagt, „Nichts.“ Das ist meistens der Anfang einer großen Ehekrise. Ich habe da glücklicherweise eine Frau, die da etwas anders dort gestrickt ist, sie respektiert, wenn ich sage, „Nichts besonderes.“ Ich weiß nicht, was sie dann dort denkt, was ich denke. Typischerweise denke ich ja auch nichts Besonderes. Der Mensch denkt nicht immer außergewöhnlich wichtige Sachen und man fährt dann besser damit, dass man einfach annimmt, „Gut, wenn er sagt, nichts, wird vermutlich nicht ganz stimmen, sonst hätte er die Ausstrahlung eines selbstverwirklichten Heiligen, denn Nirodhah heißt, an nichts denken.“, aber man kann es ja für sich übersetzen, entweder nichts Wichtiges oder nichts, was er einem mitteilen will und da hat er auch ein gutes Recht darauf, etwas nicht mitzuteilen. Und das also zu respektieren im Allgemeinen, ist eine gute Sache und nicht gleich in allem irgendwas herauslesen. Genauso auch, zweiter Denkfehler ist dann Hellseherei. Ich habe euch zwar heute Morgen praktisch die Technik gesagt, wie man seine Hellseherei schulen kann, eben Veränderung in der Zeit. Aber auch dort sollte man das, was man dort vielleicht erahnt, nicht gleich für bare Münze nehmen. Natürlich, Denkfehler ist, Menschen malen sich alles Mögliche aus, was als nächstes kommt. Dann gibt es natürlich auch die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Wenn man nur ausreichend Schlimmes annimmt, dann wird man auch darin bestätigt. Also auch hier, durchaus vieles für möglich halten, auch wenn man seine Intuition stärkt.
- Wird fortgesetzt -
Niederschrift eines Mitschnittes eines Yoga und Meditation Seminars bei Yoga Vidya mit Sukadev Bretz zum Thema „Entwickle geistige Kraft







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