Es gibt noch eine nächste Möglichkeit und die wäre Samyama. Musste jetzt ja irgendwann kommen, nachdem diese Dramatik aufgebaut wurde. Wir können jetzt natürlich auch noch Affirmationen fürs Knie wiederholen, „Ich freue mich darauf, dass nächste Woche am Montag um 10:00 Uhr mein Knie sich wieder sehr wohl fühlen wird. Ich freue mich darauf, dass mein Knie sich am Montag wieder sehr wohl fühlen wird.“ oder „Ich zähle bis zehn und dann fühlt sich mein Knie wohl an. Zehn, neun, acht usw.“ Also, es gibt verschiedene solcher Raja-Yoga-Techniken, die aus dieser Prati-Bakshi-Bhavana-Methode resultieren, die Patanjali sowohl im ersten, wie auch im zweiten, wie auch im vierten Kapitel als hilfreich erweist. Also Affirmation, Visualisierung, Suggestion usw. Aber man kann auch sich auf das rechte Knie konzentrieren. Man kann das rechte Knie spüren. Man kann es fühlen. Man kann erstmal in den Schmerz hineingehen. Dann kann man von dem Bewusstsein bis nach außen gehen, vom Schmerz weg. Man kann das Knie spüren, kann seine Wahrnehmung dort hin richten, eben nicht nur auf den Schmerz, sondern was das Knie als Ganzes ist. Und während man dann so ganz konzentriert ist auf das Knie, und zwar eine entspannte Konzentration, eine Konzentration im Hier und Jetzt. Also, ohne zu überlegen, „Oh, mein Knie tut mir weh und was passiert, wenn das Knie noch mehr weh tut, dann muss ich irgendwann eine Operation machen und dann geht die vielleicht schief und dann kann ich nie mehr laufen und dann kann ich nicht als Yogalehrerin tätig werden und dann waren die zwei Jahre umsonst und dann werde ich die Selbstverwirklichung nicht erreichen und mein Mann wird mich verlassen.“ Es gibt Menschen, die haben die wunderbare Fähigkeit entwickelt, Katastrophenszenarien auszubauen, was ja auch eine schöne Fähigkeit des Menschen ist. Auf die Weise kann er sich auf Verschiedenes einstimmen und er ist darauf vorbereitet. Die Pessimisten werden zu unrecht oft verurteilt, zu pessimistisch zu sein. Angenommen, wir hätten nur Optimisten, wir wären nur Optimisten, dann würde kein Mensch die Brandschutzbestimmungen beachten, dann würde keiner vom Veterinäramt genauer inspizieren. Die gehen immer davon aus, dass das Schlimmste passiert. Die malen sich alle schlimmen Szenarien aus und deshalb wird in größeren Küchen überwiegend hygienisch gekocht, deshalb überwiegend bei Brand kommen nicht so viele Menschen um wie früher usw. Also, Katastrophenszenarien haben auch ihren Sinn, aber nicht im Samyama. Dort lässt man die Katastrophenszenarien mal einen Moment lang sich ausruhen und stattdessen konzentriert man sich eben auf das rechte Knie. Mit seiner ganzen Achtsamkeit und Konzentration und Bewusstheit und spürt das rechte Knie. Und während man das spürt oder wenn man aus dem Spüren rauskommt, können zweierlei Dinge passieren. Können, ich garantiere jetzt nichts. Angenommen, ihr würdet sehr konzentriert sein, dann würde Patanjali sagen, es passiert notwendigerweise. Aber realistisch gesehen, die wenigsten von euch werden in Samadhi eingehen, wenn sie sich auf das Knie konzentrieren. Ihr werdet also vermutlich eher Dharana bis andeutungsweise Dhyana erreichen, aber selbst das kann manchmal dazu führen, dass ihr plötzlich wisst, „Ah, das ist der Grund, weshalb mir das Knie weh tut.“ Vielleicht merkt ihr plötzlich eine psychische Komponente, vielleicht hört ihr plötzlich eine Lektion, plötzlich wisst ihr, wozu es da ist. Plötzlich wisst ihr auch, was ihr tun müsst, damit das Problem weggeht oder plötzlich erkennt ihr, es ist gut, dass das so da ist und dass das eine wichtige Funktion in euch ist. Und manchmal kann es passieren, dass das einmalige volle Spüren des rechten Knies dazu führt, dass der Schmerz verschwindet und zwar - gut, dauerhaft ist jetzt schwierig zu sagen, denn in ein paar Jahrzehnten macht man vielleicht wieder einen Unfall und da, hoffentlich tut einem das Knie weh, wenn man dort irgendwas gemacht hat, was einer Schonung oder einer weitergehenden Therapie bedarf. Also, ich kenne z.B. Menschen, die sind ihre Migräne dauerhaft losgeworden. Ich muss allerdings auch davor sagen, ich kenne auch Menschen, die sind durch diese Technik ihre Migräne nicht losgeworden. Aber es gibt einige, die sind sie losgeworden und zwar dauerhaft und deshalb, ein Versuch ist es auch wert. Angenommen, man hat eine Migräne, dann kann man ja eine Menge probieren. Sicherlich, klug wäre es, wenn man Migräne kriegt, frühzeitig sich hinzulegen, Tiefenentspannung machen, Augen zu, dunkel und wenn man das rechtzeitig machen kann, dann kann es sein, dass das dann nach einer Stunde irgendwo sich beruhigt und dann wird man zwei Tage eher Ruhe geben. Und manche Menschen, die Migräne haben, wissen, das ist wie so jemand, der einem ein bisschen Entspannung geben will. Und andere merken, viel trinken hilft. Andere merken, Tiefenentspannung hilft, manche tiefe Bauchatmung, manche, zwischen Bauch und Fuß hin und her atmen. Einige kenne ich, die sagen, wenn sie dann zügig eins bis zwei Liter Salzwasser trinken, Finger in den Hals und sich übergeben, dann ist der Spuk vorbei. Es ist einem ja sowieso übel und wenn es soweit ist, dass es einem übel ist, kann man mit Salzwasser und sich übergeben zügig sich wieder gut fühlen. Auch hier wirkt es nicht bei allen, aber ich kenne einige und eigentlich die Mehrheit von denen, die es ausprobiert hat und die keine Geschichte von Ess-Brech-Störungen hatten vorher - also nicht, dass ihr auf solche Ideen kommt, wenn ihr so eine Geschichte mal hattet - sind es eben dadurch tatsächlich losgeworden. Und dann gibt es auch Medikamente inzwischen, es gibt ayurvedische Medikamente, es gibt chinesische Medikamente, es gibt Homöopathie, es gibt Akupunktur. Akupunktur hat sich sogar in verschiedenen Studien als hilfreich erwiesen. Und man kann, wenn es rechtzeitig ist, manche schwören noch auf Pfefferminzöl, manche auf ayurvedische Kopföle. Andere sagen, Fußmassage ist das, was wichtig ist, dass man das Gefühl rechtzeitig vom Kopf in die Füße hineinbringt, Erdung ist wichtig. Manche sagen, „Wenn es mal angefangen hat, dann hilft gar nichts und dann weiß ich, alles Leben ist Leiden, mindestens in diesem Moment, also lege ich mich mit dem Gefühl von Vairagya hin und genieße mein Elend im Wissen, meine wahre Natur ist Satchidananda, jenseits von dem, auch wenn ich die jetzt erstmal nicht wahrnehme.“
- Wird fortgesetzt -
Niederschrift eines Mitschnittes eines Yoga und Meditation Seminars bei Yoga Vidya mit Sukadev Bretz zum Thema „Entwickle geistige Kraft“







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Kommentiert von: clik jogos | 27. Dezember 11 um 00:13 Uhr